Insel `Hydra. Eine Widmung


Insel Hydra

 

Eine Widmung

 

Ήδρα, mit ihrer noch in Teilen! erhaltenen Ursprünglichkeit, kann einen Reisenden bezaubern. Mit wenigen alltäglichen Sprachfloskeln und ein bisschen Neugierde, das Gassen-Labyrinth von Hydra Chora erkunden zu wollen, weg vom Trubel des Hafen-Tourismus, kann man schnell die Gelassenheit und Freundlichkeit der Einheimischen kennenlernen. 

   Schnell sollte man seinen Aktionsradius vergrößert, zu Fuß! zu den kleinen Badestränden wandern um sein Morgenbad zu  geniessen. Dabei nicht den breiten Touristenweg an der Küste entlang benützen, sondern ein paar Meter in die Höhe steigen, dort umfangen einen die Düfte der Pinien, des Salbeis und anderer Kräuter, auch der Gesang der Zykaden.  

 

Einen Lobgesang auf 

- die kleinen Tavernen, die versteckt in Gassen, kleinen Plätzen oder auf dem Dach eines Hauses aufzuspürt werden können. Geführt von älteren Ehe-paaren, mit ihren Gerichten volkstümlicher Küche. 

- die Bäcker, die jeden Tag mit ihren alltäglich frischen Backwaren beglücken, die Düfte ziehen frühmorgens durch die Gassen.  

- meine Zuckerbäckerin Flora. Ein Hoch auf ihre Kuchen, auf die Torten und den Milchreis mit Zimt, kreiert in einem 18stündigen! Arbeitstag. 

- den liebevollen Koch Nikos in seiner Taverne TA ΓΕΦΥΡΙΑ.

- die emsigen jungen Männer mit ihren zweirädrigen Transport"Schubkarren", sie verteilen "per Express" die bestellten Waren. 

- die Männer und zwei! Frauen, die mit ihren Eseln, Mulis oder kleinen Pferden gelassen den Transport von Menschen und Gepäck durch die schmalen Gassen gewährleisten. 

 

Ich fühlte mich schnell wohl und blieb über einen Monat hinweg auf der Insel. Es verlangt ein waches Bewußtsein dies alles zu entdecken, und vielleicht das Wissen über Griechenland der 70er und 80er Jahre. Leider wird dies alles, systematisch vom schnellen modernen  Tourismus zugeschüttet werden. 

   Es reicht nicht den ganzen "Plastik"Müll auf Schiffen von der Insel zu transportieren, die Plastikflut müsste schon in den Supermärkten und Shops eingedämmt werden. Ist es Unwissenheit oder Desinteresse, auf welche Art und Weise man den Alltag meistert? Z.B. wird hemmungslos mit viel Waschmittel und Chlor! geputzt und gewaschen. Das obligatorische Glas Wasser Griechenlands gibt es hier nicht mehr, Brot und Wasser wird extra bezahlt. Dazu muss das Trinkwasser tonnenweise in Plastikflaschen auf die Insel gekarrt werden. 

   Die Insel hat viele bis zu sechshundert Meter hohe Berge. Es soll mir niemand sagen, es gab nicht Jahrzehnte zuvor gutes Wasser. Auf den Höhen sah ich brachliegendes Ackerland, sogar einen kleinen Wingert mit Weinstöcken. In kleinen tiefen Täler fliesst das Wasser der Regenzeit in Richtung Meer. Hier könnte gezielt aufgeforstet werden, der Natur zur Heilung verholfen werden, aber lieber fungieren diese Bergeinschnitte als WC für den Wohlstands-Müll.

   

Eine tragische Lachnummer! Ein "archäologisches Gesetz" verbietet Solarkollektoren auf die "antiken" Hausdächer Hydras zu installieren! 

 

Gerade jetzt in der Krise Griechenlands wären neue Ansätze möglich. Die junge Generation wäre bereit, wenn sie denn dürften. Auch hier ist immer noch die autoritäre, männliche Autokratie spürbar. Das Land bedarf weiblicher Intuitionen, wie überall in der Welt! 

   Ich registriere auch ein langsames "erzwungenes" Akteptieren, dass der griechische Staat die Mehrwertsteuer braucht um seinen sozialen und ökonomische Pflichten nachkommen zu können. In nicht wenigen Restaurants wird einfach nur der Tourist "ausgenommen", die MwSt in die eigene Tasche gesteckt, und die Arbeit leisten die schlecht bezahlten Immigranten, und zuhauf die eigene Inseljugend. 

 

Mein drittes Buch widme ich den Bewohnern der Insel Hydra. Hier beendete ich mein Manuskript "Das Leben ist ein Kunstwerk". Ich fing Augenblicke mit dem Zeichenstift ein. Sie werden das Buch illustrieren.

 

! Empfehlenswert ist der Film von Lis Klatt "Hydra 1966" in You Tube!

 

 

 

 

 

Kìria Flòra in ihrer Ανεμίονη,

 

Ζαχαροπλαστεìο!

 

 

 

 

Kirie Nikos Karandinós,

Chef der Taverna

ΤΑ ΓΕΦΥΡΙΑ

 

Er kocht mit

Herz und Bauch.

 

 

 

 

 

 

 

Ξαναβλέπω `Ydra!

Abschied

Gegenüber meinem Flora Zaxaroplastio befindet sich das Krankenhaus der Insel Hydra. Wie sich doch Lebenslinien von Mensch sich berühren, sich kreuzen können!  

 

Bei einigen Menschen, an mir wichtigen Orten meines Aufenthaltes auf der Insel Hydra, nehme ich meinen persönlichen Abschied. Mein Abschieds-Ellenikó mètrio bei Flora schickt mich auf eine Reise die in mir Erinnerungen hervorrufen, Bruchstück aus der Tiefe meines blauen Meeres gefischt. 

 

Gerade breche ich auf zum Hafen, da kommen aus dem Krankenhaus gegenüber eine Gruppe Menschen heraus. Sie tragen in einem offenen Sarg eine alte gerade verstorbene Frau, gefolgt vom Popen.

Begleitet von der Totenglocke der Kirche, mit taktvollem Rythmus, wird sie durch die schmale Gasse Richtung Hafen gefahren. Alle Einheimischen bekunden Aufmerksamkeit, unterbrechen ihre Tätigkeiten, stehen auf; sie verabschieden sich, zeigen Respekt vor dem Leben dieser alten Frau.

   

Ich selbst konnte mich nicht von meiner mir sehr wichtigen deutschen Großmutter verabschieden; die damaligen Umstände verhinderten dies, ich durfte es hier miterleben, nachholen. 

 

Durch einzelne Kontakte mit Einheimischen, denen ich mich verbunden fühlte, wurden mir Sorgen und Ängste anvertraut. Unterm Alltag verborgen, ums tägliche Überleben, dem Zwang in einem kurzen Zeitraum des Jahres, während der Tourismus-Saison das Auskommen der Familie zu sichern, durfte ich den Zusammenhalt von Familien und Freundschaften miterleben. Man muss einfach miteinander auskommen, auch wenn der "Hauspatriarchat" mit seinen egoistischen Plänen sich verrannt hat. Leider auch zum Nachteil der jüngeren Generation, denen es nicht leicht gemacht wird, neue, eigene Wege zu beschreiten. Sie müssen sich oft radikal ohne Unterstützung vom Elternhaus lösen.

 

Zur Zeit ziehen wieder einmal Tausende gebildeter junger GriechenInnen ins Ausland. 

   Dieser Zusammenhalt, unter denjenigen die im Land verbleiben müssen, aus irgendwelchen Gründen auch immer, all dies ist in Deutschland schon längst nicht mehr in dieser Form vorhanden. Immer mehr werden bei uns, die nicht mehr leistbaren Aufgaben der Familien auf Hilfs-Organisationen übertragen, vieles "hat" der Sozialstaat zu lösen — überlassen durch einen individuellen, agressiven Ego. 

 

Der Krieg, den ich führen will, rührt von dem Krieg her, / der gegen mich geführt wird.

                                                            schrieb einmal Antonin Artaud