Ehrenämter


Es bereitet Freude mit Menschen zusammenzuarbeiten, über Landesgrenzen hinaus. Inzwischen bin ich ökonomisch unabhängig, meine beiden Töchter leben ihr eigenes Leben.

Da ich mich nicht mehr  beim DED bewerben wollte, entschloss ich mein Berufsprofil beim SES (Senioren Experten Service) abzugeben. Im Ausland werden deutsche Fachkräfte/Spezialisten immer wieder angefordert, sei es, damit ein pensionierter Bäckermeister für ein paar Wochen nach China reist, um einer chinesischen Bäckerei deutsche Backwaren zu lehren.

  SES ist eine Initiative der Deutschen Wirtschaft. Im Verlauf der Diskussion die immer wieder in Deutschland geführt wird, wird der Mangel an Auszubildenden in den technischen Berufen und die hohe Zahl der Ausbildungsabbrüche erwähnt. So kam ich zu einem dreiwöchigen Einsatz in Rumänien.

 

Programm VerA - Verhinderung von Abbrüchen und Stärkung von Berufsausbildung durch SES-Ausbildungsbegleiter ins Leben gerufenIch betreute zwei Auszubildende (Azubi): Eine junge Frau mit Migrationshintergrund, sie schloß ihre Ausbildung im Mai ab. Ein junger Mann benötigte meine Unterstützung in seinen Berufsschulfächern.

 

Meine eigenen Erfahrungen als Lehrling, meine Berufserfahrungen als Handwerker, mein Ingenieurstudium, sowie meine Berufsschultätigkeit kommen mir in dieser Tätigkeit zugute. Gern gebe ich  mein Wissen und Können weiter. Mir liegt die junge Generation am Herzen. 

"VerA" hilft, wenn's in der Lehre klemmt

Die ehrenamtliche Ausbildungsbegleitung des Senioren-Experten-Service hilft über bürokratische Klippen und Unterrichtsprobleme.

 

Interview in der BZ:

Von unserem Mitarbeiter Heinz Siebold, Badische Zeitung.

 

Sie ist jung und bahnt sich mit ihren 21 Jahren einen Weg ins Berufsleben. Isabell Bapté ist mit 14 Jahren aus Épinal in Frankreich zu ihrer Großmutter nach Hausach im Kinzigtal gezogen. "Am Mittwoch bin ich angekommen, am Donnerstag war ich in der Schule in Wolfach", berichtet sie mit einem verschmitzten Lächeln. Nach der Mittleren Reife und einem freiwilligen sozialen Jahr hat sie in Freiburg eine Ausbildung zur foto- und medientechnischen Assistentin an der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule begonnen und die zwei Jahre in Theorie und Praxis beinahe beendet. Demnächst zeigt sie Fotos unter dem Titel "Der Altweibersommer" im Freiburger Black-Forest-Hostel, eindrucksvolle Nahaufnahmen von Spinnweben im Morgentau. Nach einem praktischen Jahr nach der Prüfung kann sie die Gesellenprüfung als Fotografin machen.

 

Ob sie das auch tut, weiß sie noch nicht. Vielleicht arbeitet ihr Betreuer an diesem Thema mit ihr. Denn Isabelle hat einen Ausbildungsbegleiter gefunden, der ihr schon über manche Klippen geholfen hat. "Ich kam mit dem Bafög-Antrag nicht mehr weiter", erzählt sie. Die Ausbildungsförderung brauchte sie aber, denn in der schulischen Berufsausbildung gibt es keinen Betrieb, der Ausbildungsvergütung zahlt. Bei Isabelle war die fehlende Angabe über das Einkommen des Vaters das Problem. Der lebt in Martinique und antwortete einfach nicht auf Briefe. Glücklicherweise fiel Isabelle in der Schule ein Flyer in die Hand, auf dem von einem "Vera"-Programm des "Senioren-Experten-Service" die Rede war. Die fremden Ausdrücke entpuppten sich als hilfreiche Stütze, nicht nur bei der Bafög-Frage. "Ich bin dann mal zu dem Sachbearbeiter auf das Amt hingegangen und habe mit ihm gesprochen", berichtet Konstantin Troulos über seinen Einsatz für Isabelle.

 

Der inzwischen 70 Jahre alte pensionierte Berufsschullehrer wurde vom Senioren-Experten-Service beauftragt, sich bei Isabelle zu melden. Den Bafög-Sachbearbeiter konnte er schnell davon überzeugen, dass eine Ausbildung nicht an dieser, für die junge Frau nicht lösbaren Detailfrage scheitern durfte. Seitdem bekommt Isabelle 450 Euro Bafög, damit kommt sie knapp über die Runden, sie lebt bescheiden in einer Wohngemeinschaft. Auch "die Sache mit Mathe" war letztlich lösbar. Fotografen müssen schließlich mit Bildwinkel, Brennweite und dem Verhältnis von Blende und Belichtungszeit umgehen können. Isabelles Betreuer war in seinem Berufsleben Mathematiklehrer und konnte ihr bei der schwierigen Materie helfen.

 

Wahrscheinlich hängt es mit seiner eigenen Biographie zusammen, dass der Senior sich nicht untätig auf die Parkbank setzt und Tauben füttert, stattdessen lieber junge Leuten unterstützt. Konstantin Troulos, Sohn eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter, wurde in Stühlingen im Kreis Waldshut nicht mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund geboren, es war schließlich im Jahr 1945 kurz vor Kriegsende. Nach einer Ausbildung zum Elektriker hat er über den zweiten Bildungsweg in Frankfurt den Diplomingenieur geschafft, danach Mathematik und Sozialkunde für das Lehramt studiert. Seine Zeit in der Schule unterbrach er für Aufenthalte im Entwicklungsdienst in der Karibik und in Palästina. Vor seiner Pensionierung war er Lehrer an der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Villingen-Schwenningen.

 

Jetzt reist Troulos viel, auch in sein ihm früher fremdes "Vater"-Land Griechenland, schreibt und arbeitet als bildender Künstler. Das verbindet ihn mit seinem Schützling Isabelle. "Du könntest doch mal meine Bilder professionell fotografieren", fällt ihm nebenbei ein, beide sind erstaunt, dass sie bisher noch nicht auf diesen Gedanken gekommen sind. Bald wird sie ihn nicht mehr brauchen, die Ausbildung wird im Herbst zu Ende sein.